Als im Jahr 1905 unsere Glaubensschwester Berta Sauer aus Stuttgart-Zuffenhausen in die ehemalige freie Reichsstadt Reutlingen zog, brachte sie einen Stein ins Rollen, der schon 1906 zur Gründung der Neuapostolischen Gemeinde in Reutlingen führte. Am 10. Juni 1906, dem offiziellen Gründungsdatum, wurde der erste Gottesdienst In Reutlingen gehalten. Das Interesse an der neuen Glaubenslehre war so groß, dass vom 1. August 1906 an ein Gottesdienstlokal in der Tübinger Straße 59 gemietet wurde. Kurz darauf, am 12. August 1906, erhielt Bruder Lehner durch Stammapostel Niehaus in Frankfurt das Diakonenamt. er war der erste Amtsträger für Reutlingen. Noch im gleichen Jahr wurde der Gesangchor gegründet. Bereits im Jahr 1907 musste in Folge der wachsenden Mitgliederzahl ein größeres Gottesdienstlokal in der Lederstraße 88 gemietet werden. Im November 1907 erhielt die Gemeinde mit Priester Christian Schenk, dem späteren Bezirksältesten, ihren ersten Vorsteher.
Angesichts des weiterhin starken Gemeindewachstums entschloss sich der damalige Bezirksapostel J.G. Bischoff im Jahr 1912 zum Bau einer Kirche in der Alexanderstraße 80. Diese wurde am 5. Oktober 1913 von ihm eingeweiht. Nur sieben Jahre nach der Gründung gehörten der Gemeinde bereits 350 Mitglieder an. Bei der Einweihung der Kirche sprach der Bezirksapostel einen Satz mit prophetischem Inhalt: „Dies ist die schönste Kirche des Werkes Gottes, und wenn diese Kirche die verlangenden Seelen nicht mehr fassen sollte, bauen wir am anderen Ende der Stadt eine neue Kirche.“ 40 Jahre später sollte sich eine weitere Kirche wie ein Wahrzeichen erheben - die Kirche Reutlingen-West in der Dürrstraße. Sie liegt am „anderen Ende der Stadt“.
Die weitere Entwicklung der Gemeinde ist von Phasen ausgeprägten Wachstums, aber auch Zeiten der Besinnung gekennzeichnet. Insbesondere in den Jahren nach den Weltkriegen wuchs die Zahl der Gläubigen stark. Allein im schweren Jahr der Inflation, 1923, empfingen über 140 Seelen das Siegel der Gotteskindschaft. 1931 zählte die Gemeinde 853 Seelen.
Ende der dreißiger Jahre musste die Missionsarbeit in der Gemeinde auf Grund der veränderten politischen Situation eingestellt werden. Der Zweite Weltkrieg verschonte auch die Gemeinde nicht: Zahlreiche Brüder wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Einige davon kehrten vom Krieg nicht mehr zurück. Etliche Geschwister fielen den Luftangriffen zum Opfer. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten weiteres Wachstum: Anfang der fünfziger Jahre umfasste die Gemeinde mehr als 1.200 Seelen, zu viel für die Kirche in der Alexanderstraße.
Jetzt wurde die Erstellung einer weiteren Kirche notwendig: Die Kirche Reutlingen-West, ein mächtiger und beeindruckender, abgerundeter Sakralbau mit Plätzen für über 1.600 Personen in der Dürrstraße entstand. Planung und Bau dieser Kirche lagen in den Händen des Reutlinger Architekten Ernst Digel. Bezirksapostel Schall weihte das Gotteshaus am 19. September 1953.
Die Gemeinde Reutlingen-West war geboren, gebildet aus der Gemeinde Reutlingen-Betzingen und Glaubensgeschwistern der Muttergemeinde Alexanderstraße. Im Lauf der folgenden Jahre erhielt die Kirche einen Anbau mit weiteren Nebenräumen, einen überdachten Eingangsbereich und einen Parkplatz.
Die 1913 errichtete, inzwischen ebenfalls umgebaute und renovierte Gründungskirche Reutlingen-Süd in der Alexanderstraße und die Kirche Reutlingen-West wurden Zentralkirchen der Im Jahr 1978 neu gebildeten Bezirke Reutlingen-Süd und Reutlingen-West. Die Gemeinde Reutlingen wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Gemeindegründungen im Umkreis, insbesondere im Raum Reutlingen und Tübingen.
Im Jahre 2006 konnte das Jubiläum 100 Jahre Neuapostolische Kirche in Reutlingen gefeiert werden. Höhepunkt des Jubiläumsjahrs war am 17.12.2006 der Gottesdienst mit Stammapostel Wilhelm Leber in der Kirche in der Dürrstraße für alle Stadtgemeinden Reutlingens.
Im Jahr 2017 wurden die Kirchenbezirke Reutlingen-Süd und Reutlingen-West nach fast 40-jähriger Trennung wieder zusammengeführt. Im letzten Gottesdienst vor dem Beginn der Umbauarbeiten in der Dürrstraße wurden am 5. März 2023 die beiden Gemeinden Reutlingen-Süd und Reutlingen-West vereinigt. Seither feierte die Gemeinde Reutlingen – eine der größten Gemeinden in Süddeutschland – ihre Gottesdienste in der Alexanderstraße.
Nach Abschluss der Umbauarbeiten in der Dürrstraße wurde das Kirchengebäude in der Alexanderstraße entwidmet. Die Gemeinde bezog am Sonntag, 26.10.2025 das modernisierte Kirchengebäude in der Dürrstraße